5. Der erdende Code

Kaum dass p1Xel ihr 256-Bit großes Flat in Header-Nähe betreten hat, sieht seine Mutter Mag3nta, dass etwas mit der Farbe ihres “p1Xy” an diesem Freitagnachmittag anders ist als sonst. Sie vermutet den überwundenen Serverfehler als Grund, der auch an ihr nicht spurlos vorbeigegangen ist, möchte aber sicher gehen. Wie beiläufig und nur von ihrem technikbegeisterten Ehemann bemerkt, klopft sie mit einer horchenden While-Schleife besorgt die Themen Gesundheit, Arbeit und schließlich noch die Liebe im Leben ihres Erstdigitalisierten ab. Ihr Mann, der sich seiner Frau gegenüber platziert hat, sendet ihr versteckte Signale, dass sie es mit dem Ausfragen ihres Kindes nicht übertreiben soll. Trotzdem entgeht auch Papa PI nicht, dass p1Xel heute zerfahrener scheint als sonst. PI, der eine sanft-matte türkisfarbene Aura hat, weiß, dass das Leben nicht immer harmonisch schwingt und möchte es vermeiden, sich ungebeten in das Leben seines erwachsenen Nachfolgers einzumischen. Allerdings hofft auch PI, dass sich ihr Ableger nicht mit den falschen Pixeln eingelassen, Schulden aufgebaut oder leichtsinnig neumodischen Rauschfrequenzen hingegeben hat. Wenn seine Eltern den Nachrichten Glauben schenken, keine seltenen Schicksale in ihrer schnelllebigen Zeit. Eine verwirrende Zeit, in der rund um die Uhr schillernden Illusionen über den Himmel flimmern und um die Aufmerksamkeit der Jungpixel werben.  

Seine Eltern sind die Besten und p1Xel merkt heute mehr denn je, dass er ihnen vieles bis alles zu verdanken hat. Er sieht ihnen deutlich an, dass sie sich Sorgen um ihn machen und sagt:

«Mama Mag3nta, Papa PI bitte tut mir den Gefallen und macht euch keine Sorgen um mich. Das braucht ihr nicht. Ihr habt mich bestens auf dieses Leben vorbereitet. Selbst in einem Farbenfass voller Probleme würde ich zuallererst die einzigartigen Bilder sehen, die sich daraus malen lassen und frohen Mutes ans Werk gehen.»    

Umgekehrt braucht sich p1Xel ebenfalls keine Sorgen um seine Eltern zu machen. Sie haben es geschafft ihre Position im Netz zu behaupten, klug vorgesorgt und können sich auf eine bunte Zukunft freuen.

Seine Eltern haben ihre Macken, aber welcher Pixel flackert und übersteuert in dieser spannungsreichen bis durchgeknallten Welt nicht ab und an? Mit sanftem Blick betrachtet sind seine Eltern großartig und einfach pixig auf ihre Art. Seine Mutter ist legendär und einer der unternehmenslustigsten Pixel denen unser p1Xy jemals begegnet ist. Ihre größte Stärke, aber auch Schwäche ist, dass sie vor allem dann glücklich ist, wenn es ihre Pixelfamilie ist. Sein Vater, ein mutiger und überall geschätzter Farbexperte, hadert gelegentlich mit der wachsenden Kluft zwischen Footer und Header, ist aber davon abgesehen ein zufriedener, in sich ruhender Teil der Pixel-Gemeinschaft.

«Ich hoffe, dass ihr mir trotzdem bei etwas weiterhelfen könnt» bittet p1Xel seine Eltern. p1Xel weiß, er kann ihnen alles sagen, belässt es aber bei seiner Erzählung zum heutigen Tag bei einer stark gekürzte Fassung und endet mit der Bitte um das Nennen seines Geburtscodes. Was auf seine Bitte folgt und welchen Prozess er damit in Gang setzt, hatte p1Xel nicht auf dem Schirm. Die Sorgenschimmer von Mag3nta sind wie weggewischt. Sie punktet sich, strahlend vor Stolz, zum Familien-Speicher und öffnet eine Datei mit dem Titel “The Fools Journey”. Sie nimmt sich p1Xy beiseite und die Beiden beginnen eine mal süße, mal peinliche, immer emotionale For-of-Schleife durch zahlreiche Kapitel der Familien-Chronik. Gefährlich nah an einer Endlosschleife springen sie durch die i-Screenshots die zeigen, wie p1Xel seine erste Linie zieht, das erste Mal Farbe bekennt, selbst entworfene Buchstaben rendert oder mit seinen ersten Pixelieros durchs Netz malt und tanzt. Auch Bilder seiner zauberhaften Sistrixel, die mittlerweile im Netzgrünen lebt, tauchen auf. Von der Bilderflut nostalgisiert wird beiden bewusst, dass der große Algorithmus viel zu schnell abläuft. Als Mama Mag3nta die zweite Datei öffnen möchte, auf deren Cover p1Xel und TORU5 strahlen, beide nur wenige PPI groß, erkennt er das Zeichen des Schicksals und erwacht in der Jetztzeit. Es ist bereits kurz vor 20 Uhr. Er bitte seine Mutter um seinen Geburtscode, woraufhin diese ihren Blick klärt und ihm diesen nennt.

«Ich bin also ein #FFD007»

 

Als ich meinen Geburtscode erfahre, irgendwo zwischen Sulphur und Gold, erlebe ich eine einschneidende Veränderung meiner Perspektive. Unter austritt einer salzartigen Flüssigkeit fühle ich eine tiefe Dankbarkeit meinen Eltern gegenüber. Ich bewundere das organisch wachsende Netz, dass mit jeder Generation immer feingliedriger wird.

«Dankeschön, ihr seid großartig, ich liebe euch.»

Wir blinzeln einander zum Abschied zu und ich mache mich auf den Weg zur Sidebar, wo ich bereits mit TORU5 verabredet bin.

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