1. Der Freund

«Egal was deine Freunde und Verwandten sagen, ich find dich schwer in Ordnung p1Xel.»

An der Linie zur Beleidigung bringt es sein bester Freund TORU5 mit diesem charmanten Kompliment auf den Punkt. «Schon klar, wer dich zum Freund hat, der braucht keine Feinde mehr» antwortet p1Xel in der gleichen Frequenz sendend. Mit einem verschlafenen Blinzeln ergänzt der Held dieser kleinen Geschichte an seinen  aufmunternden Weggefährten gerichtet, «TORU5 du kennst mich. Ich bin kein Gammler. Ein Asket der die nächtlichen Ruhepausen überwinden möchte, bin ich aber auch nicht. Was ist so wichtig, dass wir uns um diese Zeit im Lilienthal des Footers treffen?»

p1Xels Frage scheint berechtigt, es ist 4.44 Uhr am Morgen und das Netz ist noch Stunden davon entfernt, den normalen Wahnsinn eines Wochentags, genau genommen eines Freitags, aufzunehmen. p1xel und TORU5 sind Bildschirmpunkte, zwei winzige Pixel wie diese:

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Am Besten stellen sie sich als Leser dieses winzigen Abenteuers zwei farbig blinkende Lämpchen vor, nur viel kleiner. Die große Heimat unseres Protagonisten ist das Internet, die Kleine die aufgerufene Internetseite.

In seiner Farbauswahl ein bunter Typ, ist p1Xel im Grunde glücklich darüber, in diesen aufregenden Zeiten als Pixel geboren zu sein. Da er eher zu den gelegentlichen, als zu den routinierten Frühaufstehern zählt, braucht  er heute etwas länger, um in den Tag zu finden. Entschädigt wird er vom Zauber der Morgenstunden, der ihn mit seltener Stille und erfrischender Klarheit für die entzogenene Nachtruhe belohnt. Der Kontrast zum elektrisierenden Spektakel, das in einigen Stunden über die Pixelaner hereinbrechen wird, ist krass! Krass, wie sich ein laut ausgesprochenes krass’ anhört und eine leise niedergeschriebenes krass!’ liest.  

TORU5, meistens Mitternachtsblau, lebt hier im Lilienthal, dem Bodensatz ihrer Heimat. Er geht keiner regulären Arbeit nach und überlebt dank der knapp rationierten Energie, die das Netz täglich frei verteilt. p1Xels Frage nach dem Grund für das Zusammentreffen beantwortet TORU5 mit diplomatischem Auf- und geheimnisvollem Abgang:  

«Es bedeutet mir sehr viel, dass du mir hilfst p1X. Dennoch möchte ich dich bitten, dass du diesen Morgen für dich behältst. Nur um sicher zu gehen, dass es keine Gerücht gibt, ich sei durchgeknallt und dass ich infolgedessen meine wichtige Aufgabe nicht fortsetzen kann. Versprichst du es?»

p1Xel ist etwas beunruhigt, aber verspricht es seinem Freund, der etwas mitgenommen aussieht und ohnehin wenig Wert auf Äußerlichkeiten legt. Daraufhin fährt TORU5 fort:  

Danke. Ich weiß nicht genau wie ich es am besten beschreiben soll, aber ich hatte kürzlich eine Vision. Nach einer unruhigen Nacht, hat mich einer der Riesen, die über unseren Himmel flimmern, angesprochen. Ich bin sicher, er hat zu mir gesprochen. Erst hat er mir zugewunken und sich dann als ‘Adam von der Spezies Mensch’ vorgestellt, woraufhin ich meinte, ich sei TORU5 von der Spezies der Pixel. Jedenfalls sagte Adam in der sich auffächernden Vision, dass er gerne mehr über uns Pixel erfahren möchte und hat mich gefragt, ob ich als Botschafter zwischen der Welt der Pixel und der Welt der Menschen vermitteln kann. Ich weiß es hört sich verrückt an, aber ich glaube diese Vision hat eine Bedeutung und ich möchte der Idee Adams gerne nachkommen. Und um auf deine Frage nach der frühen Stunde zu antworten, du weißt, dass der Verkehr auf den Datenautobahnen drastisch ansteigt, vor allem tagsüber. Bis zur Verwirklichung der umstrittenen fünften Netzgeneration ist das morgendliche Lilienthal besonders günstig um frei zu experimentieren und eine sichere Verbindung aufzubauen. Ich hoffe, eine verständliche Sprache zu finden, um die Welten einander näher zu bringen.

p1Xels erster Gedanke ist: «Visionen? Scheiße, mein Freund hat Visionen.» Er kennt TORU5 als inspirierenden Vertreter ihrer Art, aber beim Auftauchen von Visionen ist selbst p1Xel irritiert. Er reißt sich zusammen und beweist Demut genug, die visuellen Erscheinungen seines besten Freundes nicht sofort auf durchgebrannte Schaltkreise zu reduzieren. Die Sphären zwischen der Welt der Riesen und der Welt der Pixel sind auch ihm ein Rätsel. Wenn p1Xel eines sicher weiß, dann dass er letztlich nichts weiß. Er hat sich an die übers Firmament flimmernden Riesen gewöhnt, wie man sich an Wolken und Sterne gewöhnt. Die Himmelsbewohner betrachtet er als letztlich zufällige Phänomene des Internet. Schöne Farbenspiele, entstanden durch eine Reihe von Unfällen und Prozessen, die ihm unbekannt sind.   

Obwohl noch früh am Morgen schaltet p1Xel schnell und lässt sich in seiner Reaktion die Besorgnis auf das mutige Geständnis des Freundes nicht anmerken: 

«Horus du bist genial. Abgehoben, aber genial, ich bin dabei.»

Wenn p1Xel seinen Freund ‘Horus’ nennt, ist es normalerweise aus Respekt für dessen aufblitzende Weitsichtigkeit, die an einen Falken erinnert. Heute nennt p1Xel ihn bei seinem Pixnamen, um ihm ein Gefühl der Stabilität und Vertrautheit zu geben. TORU5 lebt auf eigenen Wunsch, ohne feste Bleibe, zwischen den Leitungsbahnen ihrer Heimat und p1Xel hofft, das die Vision nicht die Begleiterscheinung von dessen strapaziösen Lebensumständen ist.

Gemeinsam nutzen die beiden Jungpioniere die großzügig gespendete Privatsphäre der ausklingenden Nacht und schicken visuelle Kommunikationsmuster in die Welt von ‘Adam dem Menschen’. Nach getaner Arbeit verabreden sich die Beiden für den Abend, um bei ein paar Photonen-Blitzen in der Sidebar auf den Erstkontakt anzustoßen.

Hello Hallo Adam Pixel Art
adam gefiederte schlange pixel art
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